Grandes Jorasses Nordwand „Croz- Pfeiler“

Als ich endlich wieder einen Freitag von der Arbeit frei bekam, fuhr ich sofort mit Roli nach Chamonix. Seit der Begehung der Colton McIntyre wenige Wochen zuvor, hatte sich einiges getan. Das Wetter wurde wenig später stabil, und durch social Media hatten sich die guten Verhältnisse schnell herumgesprochen.

Die Nordwand der Grandes Jorasses- für mich die eindrucksvollste Wand der Alpen

Die Nordwand der Grandes Jorasses- für mich die eindrucksvollste Wand der Alpen

zustieg zur Ref. Leschaux

zustieg zur Ref. Leschaux

Noch am selben Tag stiegen wir zur Rif. Leschaux auf. Durch den großen Ansturm an Bergsteigern war die Hüttenwirtin Chloe sichtlich gereizt. Zwar hatte ich diesmal vorreserviert, doch etliche andere Bergsteiger nicht. Nach dem vorzüglichen Abendessen und der für mich bereits üblichen Diskussion um den Zeitpunkt des Frühstücks legten wir uns zu Bett.

Etwas überrascht war ich, als ich um etwa 2:30 Uhr zur Toilette, welche sich 20m abseits der Hütte befindet, ging. Die untere Hälfte der Colton- McIntyre war klar durch eine Lichterkette, welche durch unzählige Seilschaften gebildet wurde, erkennbar. Auch in den anderen Routen war einiges los.

Wir frühstückten wir die Reste, welche die anderen übrig gelassen hatten und verließen kurz vor 3:00 Uhr als letzte Seilschaft die Hütte.

Duch den hellen Mond und vorhandene Spuren, war die Orientierung im Zustieg diesmal viel einfacher. Schon bald wurde es hell und wir stiegen über die Randspalte des Croz- Pfeilers. Eine Seilschaft befand sich bereits in der Hälfte der Wand.

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Die spitzen Verhältnisse ließen uns zügig vorankommen. Wir kletterten seilfrei und nach etwa 1,5 Stunden holten wir die Seilschaft ein. Weiter oben dann kamen wir etwas von der Originalroute ab.

super Kletterei

super Kletterei

Tolles, etwas anspruchsvolleres Mixed Gelände erwartete uns bevor wir wieder zur Originallinie zurückkehrten. Hier kletterten wir großteils am laufenden Seil.

150m unter dem Gipfel stand die, bei winterlichen Verhältnisse übliche, als moderat zu bezeichnende Eisgully- Variante, und die im Führer als anspruchsvoll, brüchig und schwierig beschriebene Mixed- Variante zur Auswahl. Wer unsere Seilschaft kennt weiss, wir wählten selbstverständlich zweitere.

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Drei Seillängen, welche mir bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben werden. Das Gelände war anspruchsvoll, die Absicherung schwierig und unsere Fitness auch nicht mehr auf Höchststand… Bei einer Stelle war ich heilfroh, Roli den Vortritt lassen zu können, da ich im unteren Teil einiges an Reserven liegen gelassen hatte, und hier vermutlich ewig gebraucht hätte, diese Stelle zu überwinden.

Trotz allem lief es super und nach etwa 7h von der Randspalte erreichten wir den Gipfel.

am Gipfel des "Croz- Pfeilers"

am Gipfel des „Croz- Pfeilers“

Wir seilten wir nach Süden ab und stiegen über die Boccalata Hütte nach Courmayeur ab. Um 20:00 Uhr Sitzen wir bei Pizza und Bier in Chamonix.

Nordwandgsicht

Nordwandgsicht