Anfang Februar 2014

Bislang war der heurige Winter in unserer Region ein karges Produkt aus wenig Schnee und für die Jahreszeit viel zu hohen Temperaturen, was dürftige Eis und Schneeverhältnisse zur Folge hat. Dementsprechend groß ist der Antrieb, etwas machbares zu finden.

Beim ständigen ein und aus Pendeln im Kaunertal fallen meine hungrigen Blicke immer wieder auf einen verdächtig weit herunterhängenden Eiszapfen, im hinteren Abschnitt des Kaunertals namens Platt. Dieser Zapfen ist Teil einer unter den Lokals berühmt berüchtigten Eisformation. Einem ca.100m langen und an die 70° steilen Eisschild, welches durch einen etwas mehr als 20m hohen Überhanggürtel abgeschlossen wird. Berüchtigt, da im rechten Abschnitt bereits  im Jahr 2000 durch Florian Schranz und Freunde ein Denkmal gesetzt wurde: Eine äußerst kühne, nur mit Normalhaken erstbegangene Mixed- Linie,  „Angst vor Lust“ macht seither ihrem Namen alle Ehre und schlummert noch immer ohne Wiederholung vor sich hin. Die Verhältnisse in dieser Linie lassen jedoch auch heuer zu wünschen übrig…

der Zapfen... (C) Josef Mallaun

der Zapfen…
(C) Josef Mallaun: fotomallaun.at

Nun, am 10.02.2014 ist es soweit. Ich stehe mit Florian, am Parkplatz in Platt und wir diskutieren, ob, wieviel und welches Material wir hinaufschleppen. Da solche Unternehmungen von unten immer schwer einzuschätzen sind, spuren wir mit ordentlich Material zum Einstieg hinauf. Nach Montage der Steigeisen pickeln wir zügig über das Eisschild hinauf zum Zapfen. Oben angekommen, mussten wir uns eingestehen, dass unsere erhoffte Taktik, nämlich schnell und mit wenig Material den Zapfen zu erreichen, nicht aufging. Ein steiler, abweisender und wenig strukturierter Überhang rückt das Eisklettern in den Hintergrund… Bohren ist angesagt. Mit allen mir bekannten Raffinessen des technischen Kletterns und den oft sehr hilfreichen Tipps von Florian arbeite ich mich Zentimeter für Zentimeter den Überhang hoch. Ungefähr bei der Hälfte ändert ein von mir im Vorstiegseifer abgeschlagener Eisbrocken seine von mir erdachte Flugbahn, prallt auf Florians Oberlippe und verpasst ihm ein ordentliches Cut.

Daher der Name 🙂

Der Tag war somit gelaufen.

Zwei Tage später brechen wir erneut auf. Diesmal mit angepasstem Material und dem Privileg einer vorhandenen Aufstiegsspur. Diesmal scheint alles glatt zu laufen und nach den üblichen Strapazen welche das im Vorstieg Einrichten so mit sich bringt, stehe ich am Übergang zwischen Fels und Eis- bereit zum andocken. Endlich ist es geschafft! Nun folgt der spaßige Teil. Ich säubere nochmals die Hooks und seile ab. Nach einer kurzen Pause starte ich den ersten Rotpunktversuch. Der Felsteil gelingt mir auf Anhieb. Die Hooks sind meist gut, die Züge weit.

(C) Josef Mallaun:

(C) Josef Mallaun: fotomallaun.at

(C) Josef Mallaun:

(C) Josef Mallaun: fotomallaun.at

Mit dementsprechend langen Ärmeln spreize ich in die Säule.

(C) Josef Mallaun

(C) Josef Mallaun: fotomallaun.at

Anfangs noch etwas zaghaft, doch zunehmend sicher überwinde ich die kritischen Meter und setze eine Schraube. Geschafft!

Das letzte Stück erweist sich als purer Genuss! Steiles in der Sonne getränktes Eis in einer traumhaften Landschaft.

_DSC5038

(C) Josef Mallaun: fotomallaun.at

Ein Perfekter Tag!

Christoph Schranz

Dicke Lippe 120m M8 WI6

Danke an Egon, Florian und vor allem Sepp Mallaun für die gewaltigen Fotos!!!

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