Hohe Munde Kolosseum „Alte Telfer“ 8b 300m

Das Kolosseum. Im Schatten der hohen Munde ein recht unscheinbar anmutender Felsriegel. Für mich zählt es zu den besten Mehrseillängenspots in Tirol.

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Als Spielwiese von Benni Hangl und seinen Gefährten wurde hier das eine und andere Testpiece hinterlassen.

Als ich die Routen im linken Bereich kletterte, fiel mein Blick des öfteren ehrfurchtsvoll auf die steile Kante zur rechten, welche einem Schiffsbug gleicht…

Der eindrucksvolle "Schiffsbug"

Der eindrucksvolle „Schiffsbug“

Die „Alte Telfer“. Erstbegangen durch Benni Hangl und erstmalig Rotpunkt geklettert durch Christian Ruech, welcher auch maßgeblich an der Erstbegehung beteiligt war.

Einmal im Frühjahr stand ich mit Egon am Einstieg der „Scipio“. Wir wollten in besagte Route einsteigen, jedoch lagen unsere Expressschlingen noch im Kofferraum des Autos. Da in der zweiten Seillänge der „Alte Telfer“ die Exen vorgehängt waren, und die erste seilfrei möglich war, gab ich dem Tag noch einen Nutzen, indem ich etwas herumboulderte.  Da ich bislang noch nie in eine bestehende MSL Route mit der Einstellung eingestiegen bin, ein zweites oder gar drittes Mal zu kommen, musste ich mich vorerst überwinden, die Seillänge überhaupt zu probieren.

Schnell wurde mir klar, dass diese Seillänge nicht unkletterbar für mich scheint. Mit jedem Zug der mir gelang, brennte mehr und mehr der Wunsch in mir, diese Linie zu klettern. Da ich keinen Partner hatte, welcher die gleichen Interessen hegte, war ich sehr dankbar als Hannes sich opferte, mir einen weiteren Tag in dieser Route zu ermöglichen. Wir klettern bis zur 7c Seillänge, welche ich jedoch nicht mehr gänzlich auscheckte…

Mit Hannes am Einstieg

Mit Hannes am Einstieg

04. Juni 2014

Etwas nach 11:00 Uhr verliess ich eine Vorlesung an der Uni in IBK. Ich traf Egon in Telfs und wir machten uns auf den Weg ins Kolosseum. Trotz der miesen Wetteraussichten riskierten wir einen Versuch. Ich plante lediglich die Kletterpassagen in der Schlüsselseillänge zu optimieren. Zu meinem Erstaunen stieg ich die Schlüssellänge beim zweiten Versuch durch. Es war halb zwei und ausserhalb der großen Dächer regnete es in Strömen. Ich begann zu rechnen…

Die folgenden zwei 7b Längen und die cleane 6c gingen auf Anhieb.

Egon vor dem 7c Stand

Egon vor dem 7c Stand

Mittlerweile hatte es sogar aufgehört zu regnen und einzelne Sonnenstrahlen trafen auf die westseitig exponierte Felsflanke. Etwas übermütig kletterte ich in die patschnasse 7c Seillänge. Ich kämpfte mich Zug um Zug in dem mir kaum bekannten Gelände dahin. Meine Unterarme waren gefühlt auf das doppelte Volumen aufgepumpt. Als ich den letzten Zug zum Standhenkel ansetzte passierte es. Mit einem lauten Schrei fuhr ich in die Tiefe. Ich hatte einen Tritt übersehen. Zurück am Stand zog ich das Seil ab und kletterte sofort los. Wieder kämpfte ich mich hoch. Meine Schuhe und Finger waren total feucht. Die dadurch fehlende Reibung raubte mir immense Körperspannung. Doch diesmal sollte es klappen. Die nächste Seillänge entspannte ein wenig.

in der 7c Länge

in der 7c Länge

Etwas euphorisch startete ich in die letzte 9er Seillänge. Ich drang vor bis einen Haken vor dem Standplatz, schnappte daneben und fiel ins Seil. Dies wiederholte sich in den nächsten Versuchen. Ich seilte zum vierten mal entmutigt zum Standplatz ab. Von hier an hatten wir gerade noch etwas mehr als eine Stunde Tageslicht.

Aufgrund des Zeitdrucks welchen ich mir auferlegt hatte, schoss ich von Anfang an jegliche Taktik in den Wind. Ohne Pause kämpfte ich mich fest entschlossen nach oben. Somit waren an diesem Punkt meine Kraftreserven und Fingerkuppen mehr als aufgebraucht.

Ich setzte nochmals alles auf eine Karte und siehe da ich erreichte ich das Top von SL 8. Egon kam nach und ich stürmte in Windeseile die letzte SL hoch.

Mit einem Freudenschrei erreiche ich den Ausstieg. Geiles Gefühl…

Am Ausstieg

Am Ausstieg

Dies war vermutlich die zweite erfolgreiche Rotpunktbegehung dieser Linie nach Christian Ruech.

Beim Abseilen verhängte sich dank eines Fehlers unsererseits das Seil, was uns – vielmehr Egon, da ich ziemlich am Ende meiner Kräfte war- eine anstrengende Prusikaktion bescherte. Doch bald schon saßen wir im Mäkki und genossen den Kaloriennachschub.

Vielen Dank an Benni für die geile Linie, und an Egon für den unermüdlichen Einsatz!

 

Andere Begehungen meinerseits an der Munde:

„Mitten durchs Herz“ 7a+ 400m onsight mit Johannes Wolf im Sommer 2013

„Grieslehnrinne“ 5- 1500m solo im Juli 2016

„Markus Aurelius“ 7b 250m onsight mit Markus Kärle im Sept.2011

„Scipio“ 7a 250m mit Johannes Wolf im Herbst 2012

„Junge Römer“ 7a 250m onsight mit Andi Pedevilla im Frühjahr 2012

„Romulus“ 7b+ 250 onsight mit Michi Mautz im Herbst 2015

Das Kolosseum- für mich definitiv immer ein Reise wert!

Links:

Das Topo gibts hier: „Alte Telfer“ Topo.pdf